Nach dem deutlichen Preisrückgang zu Wochenbeginn zeigt sich der Ölmarkt derzeit wieder zurückhaltend. Auslöser der anfänglichen Entspannung war das vorläufige Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das Hoffnungen auf eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten geweckt hat. Dennoch bleibt die Unsicherheit hoch, da bislang nur wenige Details des sogenannten „Memorandum of Understanding“ bekannt sind. Die Unterzeichnung des Dokuments ist für Freitag in der Schweiz vorgesehen, jedoch haben weder Washington noch Teheran den vollständigen Inhalt veröffentlicht.
Ein zentrales Thema bleibt die Zukunft der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Rohöl weltweit. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Schifffahrt könne bereits bis Freitag wieder uneingeschränkt erfolgen. Gleichzeitig widersprechen iranische Aussagen dieser Einschätzung, da das eingeführte Mautsystem offenbar bestehen bleiben könnte. Diese unterschiedlichen Signale sorgen für Verunsicherung an den Märkten.
Marktanalysten weisen darauf hin, dass die tatsächlichen Auswirkungen des Abkommens erst nach Bekanntwerden aller Details beurteilt werden können. Reedereien, Händler und Energieunternehmen verlangen mehr Planungssicherheit, bevor sie ihre Aktivitäten in der Region wieder vollständig aufnehmen. Zudem dürften die Beseitigung von Seeminen, die Wiederherstellung des Versicherungsschutzes sowie die Rückkehr von Besatzungen und Schiffen Zeit benötigen.
Auch die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Förderanlagen und die Reparatur beschädigter Infrastruktur verzögern eine schnelle Normalisierung der Versorgung. Insgesamt wird die Marktlage daher als neutral bewertet. Trotz leichter Entspannung dürften bestehende Versorgungsprobleme noch längere Zeit bestehen bleiben. Die Inlandspreise könnten kurzfristig dennoch leicht sinken, da der ICE-Gasoil-Kontrakt zuletzt nachgegeben hat.
Fundamental; neutral Chartanalyse; neutral bis bearish