Die Ölpreise haben sich nach den deutlichen Verlusten der Vorwoche stabilisiert und notieren weiterhin über der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten. Marktteilnehmer zweifeln zunehmend an der Umsetzbarkeit eines von US-Präsident Donald Trump angekündigten Plans, die sichere Passage neutraler Schiffe durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. Konkrete Details fehlen bislang, während der Iran diese Initiative als möglichen Bruch des Waffenstillstands interpretiert und mit Gegenmaßnahmen droht.
Die Unsicherheit wird zusätzlich durch neue Angriffe auf Tanker verstärkt, was die Risiken für den internationalen Öltransport weiter erhöht. Gleichzeitig kommen die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nur schleppend voran. Beide Seiten halten an ihren zentralen Forderungen fest: Während die USA ein Atomabkommen priorisieren, verlangt der Iran zunächst ein Ende des Konflikts sowie die Aufhebung der Blockade. Ein kurzfristiger diplomatischer Durchbruch erscheint daher unwahrscheinlich.
Die fortdauernde Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus führt zu spürbaren Angebotsausfällen. Da die globale Nachfrage bislang kaum nachgibt, werden bestehende Lagerbestände zunehmend abgebaut. Dieser Effekt ist im Markt noch nicht vollständig sichtbar, dürfte aber mittelfristig entweder zu weiter steigenden Preisen oder zu realen Versorgungsengpässen führen.
Die jüngste Entscheidung der OPEC+, ihre Förderung moderat zu erhöhen, wird von Beobachtern als symbolisch eingeschätzt. Aufgrund der anhaltenden Konfliktlage ist fraglich, ob die zusätzlichen Mengen tatsächlich auf den Markt gelangen. Insgesamt bleibt der Ölmarkt stark von geopolitischen Risiken geprägt, weshalb die grundlegende Einschätzung weiterhin preistreibend ist, trotz kurzfristiger Preisschwankungen.
Fundamental; bullish Chartanalyse; neutral bis bearish