Nach neuen Achtmonatshochs bei Brent Crude und West Texas Intermediate verharren die Ölfutures auf erhöhtem Niveau. Ausschlaggebend sind vor allem geopolitische Risikofaktoren rund um die bevorstehende Neuaufnahme der Atomgespräche zwischen den Vereinigte Staaten und Iran in Genf. Obwohl aktuell keine physischen Lieferunterbrechungen bestehen und der Markt strukturell eher von einem erwarteten globalen Überangebot geprägt ist, preisen Händler verstärkt ein Eskalationsszenario ein.
Die USA haben ihre Militärpräsenz im Nahen Osten deutlich ausgebaut und nicht zwingend erforderliches Botschaftspersonal aus Beirut abgezogen. Diese Maßnahmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Zwischenfalls zumindest aus Marktsicht. Laut Analystenschätzungen beläuft sich die geopolitische Risikoprämie inzwischen auf rund 10 US-Dollar je Barrel. Der Preisanstieg basiert somit primär auf Absicherungsstrategien institutioneller Marktteilnehmer gegen Worst-Case-Szenarien.
Technisch bewegt sich Rohöl weiterhin innerhalb der etablierten Sechsmonatsspanne zwischen 55 und 66,50 US-Dollar. Ein signifikanter Ausbruch über die obere Begrenzung könnte Anschlusskäufe bis in den Bereich von 70 bis 72 US-Dollar auslösen. Umgekehrt würde eine glaubhafte diplomatische Entspannung eine Korrektur in Richtung 61 US-Dollar wahrscheinlich machen.
Zusätzlich sorgt die US-Handelspolitik für Unsicherheit. Neue Zolldrohungen belasten die globalen Wachstumsperspektiven und damit mittelfristig die Ölnachfrage. Insgesamt ergibt sich eine neutrale fundamentale Einschätzung mit kurzfristig stabilisierender Risikoprämie.
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Fundamental; neutral Chartanalyse; neutral