Die Rohölpreise setzen ihren Aufwärtstrend fort. Nachdem der Ölpreis bereits am Freitag auf Wochenbasis um mehr als 8 US-Dollar je Barrel gestiegen war, überschritt der US-Rohölkontrakt WTI erstmals seit Ende Mai wieder die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar.
Hauptursache für den Preisanstieg sind wachsende Sorgen über eine mögliche Verknappung des weltweiten Ölangebots. Nach Drohnenangriffen wurde eine wichtige saudische Ost-West-Pipeline vorsorglich außer Betrieb genommen. Die Pipeline besitzt eine Kapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich und ermöglicht den Transport unter Umgehung der Straße von Hormus. Ein längerfristiger Ausfall könnte das globale Angebot um bis zu vier Prozent reduzieren. Da bisher keine Angaben zur Schadenshöhe oder zur Wiederinbetriebnahme vorliegen, bleibt die Unsicherheit hoch.
Zusätzlich verschärft sich die Sicherheitslage an wichtigen Transportwegen. Angriffe und Zwischenfälle in der Straße von Hormus sowie die zunehmende Kontrolle der Huthi-Miliz über Gebiete nahe der strategisch wichtigen Meerenge Bab el-Mandeb erhöhen das Risiko weiterer Lieferunterbrechungen. Diplomatische Lösungsansätze sind derzeit nicht erkennbar.
Sollte die Pipeline kurzfristig wieder in Betrieb gehen, könnte sich der Preisdruck abschwächen. Bei einer längeren Stilllegung wären dagegen Produktionskürzungen und erhebliche Marktverwerfungen möglich. Experten halten in diesem Fall Preise von bis zu 120 US-Dollar je Barrel für denkbar.
Zusammen mit einer steigenden Nachfrage, insbesondere aus China, haben die geopolitischen Spannungen die Ölpreise seit Jahresbeginn deutlich erhöht. Dies verstärkt den globalen Inflationsdruck und erschwert die Geldpolitik der US-Notenbank. Insgesamt bleibt die fundamentale Markteinschätzung daher bullish, während steigende Inlandspreise erwartet werden.
Fundamental: bullish Chartanalyse: neutral bis bullish