Die Ölpreise reagierten zum Wochenauftakt mit deutlichen Aufschlägen auf die militärische Eskalation im Nahen Osten. Die Nordseesorte Brent Crude stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit über einem Jahr, während West Texas Intermediate ein 1,5-Jahreshoch markierte. Hintergrund sind Angriffe Israels und der USA auf iranische Ziele sowie iranische Gegenmaßnahmen, darunter Attacken auf Tanker in der Straße von Hormus.
Mit rund 3,3 Mio. Barrel pro Tag steht der Iran für etwa 3 % der weltweiten Ölproduktion. Weitaus bedeutsamer ist jedoch seine Kontrolle über die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil der globalen Öltransporte aus dem Persischen Golf nach Asien abgewickelt wird. Die zeitweise Unterbrechung des Tankerverkehrs verstärkte die Sorge vor physischen Lieferengpässen und anhaltender Preisvolatilität.
Marktbeobachter sehen die weitere Entwicklung stark von der Dauer des Konflikts abhängig. Die Citigroup erwartet Brent-Preise zwischen 80 und 90 US-Dollar im Wochenverlauf. Bei längeren Unterbrechungen oder einer weiteren Gefährdung der Schifffahrt könnten laut Wood Mackenzie sogar wieder 100 Dollar erreicht werden. Eine schnelle Deeskalation oder glaubwürdige diplomatische Signale würden hingegen preisdämpfend wirken.
Zwar beschloss die OPEC+ eine moderate Förderausweitung um 206.000 Barrel pro Tag ab April, doch operieren viele Mitgliedstaaten nahe ihren Kapazitätsgrenzen. Selbst zusätzliche saudische Reserven wären bei blockierten Transportrouten nur eingeschränkt wirksam.
Die International Energy Agency signalisierte Bereitschaft zur Koordination strategischer Reserven. Laut Goldman Sachs liegen die sichtbaren globalen Bestände bei rund 7,8 Mrd. Barrel und decken etwa 74 Tage des Weltbedarfs – ein Puffer, der kurzfristige Schocks abfedern, jedoch keine längerfristige Eskalation vollständig kompensieren könnte.
Fundamental; bullish Chartanalyse; neutral bis bearish