Die US-Rohölbestände hatten zuletzt nur begrenzte Wirkung auf die Ölpreise. Der Markt richtet den Fokus weiterhin auf die Entwicklungen im Mittleren Osten, insbesondere auf die Lage rund um die wichtige Meerenge von Hormus. Diese ist zwar offenbar nicht vollständig geschlossen, der Transit bleibt jedoch eingeschränkt. Dadurch wird das Angebot reduziert und die Preise werden gestützt. Aktuell passieren rund 3,9 Mio. Barrel pro Tag die Meerenge.
Eine weitere Eskalation könnte durch eine Schliessung der Meerenge von Bab el-Mandeb entstehen. Dies würde zusätzliche Öltransporte beeinträchtigen und könnte die Preise deutlich nach oben treiben. Gleichzeitig belasten auch Ausfälle bei russischen Öllieferungen und Raffineriekapazitäten die globale Versorgungslage.
Trotz der angespannten Situation reagieren die Ölbörsen bislang verhalten, da viele Risiken bereits eingepreist sind. Ohne weitere Verschärfung könnten kurzfristige Gewinnmitnahmen einsetzen. Langfristig bleiben jedoch steigende Preise möglich, sollte es zu anhaltenden Lieferausfällen kommen.
Goldman Sachs erwartet bei anhaltenden Einschränkungen Brent-Preise von bis zu 110 US-Dollar im vierten Quartal. Bei einer Entspannung der Lage wäre jedoch auch ein Rückgang Richtung 60 US-Dollar denkbar. Insgesamt bleibt die Einschätzung leicht bullish: Die Märkte bleiben volatil, und eine erneute Eskalation könnte die Preise schnell nach oben treiben. Kurzfristig deuten die nachgebenden Notierungen jedoch auf mögliche Preisnachlässe im Inland hin.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: neutral bis bearish