Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran bleibt die Lage im Persischen Golf der dominierende Einflussfaktor am Ölmarkt. Auslöser der jüngsten Preisbewegungen war insbesondere die erneute Schließung der Straße von Hormus durch den Iran – eine der wichtigsten Transitrouten für globalen Ölhandel. Zusätzlich verschärfte die Beschlagnahmung eines iranischen Frachtschiffs durch die USA die geopolitischen Spannungen. Infolgedessen verzeichneten die Rohölsorten Brent und WTI deutliche Preisaufschläge zu Wochenbeginn.
Trotz dieser Eskalation richten Investoren ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf die für diese Woche geplanten Verhandlungen in Islamabad. Die Marktteilnehmer spekulieren auf eine Verlängerung der Waffenruhe oder sogar auf eine politische Grundsatzeinigung. Analysten betonen jedoch, dass dieser Optimismus die tatsächlichen Risiken überdecken könnte. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die Angebotsstörungen am Ölmarkt bislang unterschätzt werden.
Die Situation in der Straße von Hormus bleibt kritisch: Der Schiffsverkehr ist massiv eingeschränkt, militärische Zwischenfälle häufen sich, und die Unsicherheit über die Dauer der Störungen bleibt hoch. Sollte die Blockade länger anhalten, drohen erhebliche Angebotsausfälle. Schätzungen zufolge könnten sich diese bei einer einmonatigen Fortdauer auf rund 1,3 Milliarden Barrel summieren, was die Preise deutlich nach oben treiben dürfte.
Bereits jetzt zeigen sich Auswirkungen auf die Nachfrage: Höhere Preise haben den globalen Ölverbrauch um etwa 3 % reduziert. Eine vollständige Normalisierung der Versorgung wird frühestens gegen Ende 2026 erwartet.
Insgesamt bleibt der Ölmarkt stark geopolitisch geprägt. Fundamentale Daten, wie Lagerbestände, spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Die kurzfristige Markterwartung bleibt daher überwiegend preisstützend.
Fundamental; bullish Chartanalyse; neutral bis bearish