Nach einer ausgeprägten Preisrally hat sich der Brent-Ölpreis wieder von seinem höchsten Stand seit 2022 entfernt. Hauptgrund dafür ist eine vorübergehende Entspannung der geopolitischen Lage im Persischen Golf. Nach Angriffen auf das iranische South-Pars-Gasfeld und Katars LNG-Infrastruktur blieb eine weitere Eskalation bislang aus. Stattdessen setzten wichtige Akteure auf Deeskalation: Die USA signalisierten, keine Bodentruppen entsenden zu wollen, während Israel erklärte, vorerst keine weiteren Angriffe auf iranische Energieanlagen durchzuführen. Gleichzeitig wurden politische Signale gesendet, die auf ein mögliches baldiges Ende des Konflikts hindeuten.
Infolgedessen bauten die Rohölmärkte einen Teil der zuvor eingepreisten „Kriegsprämie“ ab, was zu sinkenden Preisen führte. Dennoch bleibt das Marktumfeld fragil. Besonders die Straße von Hormus stellt weiterhin ein zentrales Risiko dar, da sie ein entscheidender Engpass für den globalen Öltransport ist. Bereits bestehende Schäden an Infrastruktur und gestörte Logistik könnten die Versorgung längerfristig beeinträchtigen, selbst bei einer Stabilisierung der Sicherheitslage.
Zusätzliche Impulse kommen aus den USA: Diskutiert werden sowohl eine Lockerung der Sanktionen gegen iranische Ölexporte als auch die Freigabe strategischer Reserven, um das Angebot zu erhöhen und Preise zu dämpfen. Gleichzeitig warnen Analysten vor anhaltend hoher Volatilität, da neue Angriffe auf Energieinfrastruktur jederzeit zu erneuten Preissprüngen führen könnten.
Kurzfristig wird die Marktlage als neutral bis leicht bullish eingeschätzt, wobei geopolitische Entwicklungen weiterhin der dominierende Einflussfaktor bleiben.
Fundamental; neutral bis bullish Chartanalyse; neutral bis bearish