Die Rohölpreise sind im gestrigen Tagesverlauf deutlich gefallen, nachdem sie am Morgen noch kurzzeitig die Marke von 120 US-Dollar je Barrel erreicht hatten – ein Niveau, das zuletzt 2022 zu Beginn des Ukraine-Kriegs gesehen wurde. Später sorgten Aussagen von US-Präsident Donald Trump für zusätzliche Bewegung am Markt. Seine Ankündigung, der Konflikt mit dem Iran könnte bald enden, sowie Hinweise auf mögliche weitere Sanktionsausnahmen setzten die Preise unter Druck. Brent und WTI fielen daraufhin zeitweise wieder in den Bereich um 85 Dollar je Barrel.
Marktbeobachter reagieren jedoch skeptisch auf diese Aussagen. Vandana Hari vom Analysehaus Vanda Insights betont, dass Trumps Einschätzung kaum ausreiche, um die Sicherheitslage im Persischen Golf nachhaltig zu stabilisieren. Insbesondere die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus bleibe ein Risiko, weshalb Marktteilnehmer aktuell stark auf Schlagzeilen reagieren und zu Panikverkäufen neigen könnten.
Auch Suvro Sarkar von der DBS Bank sieht kurzfristige Überreaktionen. Während der Markt zuvor stark nach oben reagiert habe, sei nun eine übermäßige Gegenbewegung nach unten zu beobachten. Gleichzeitig warnt er, dass die geopolitischen Risiken für Brent auf dem aktuellen Preisniveau möglicherweise unterschätzt werden.
Fundamental bleibt die Lage angespannt: Das iranische Regime zeigt bislang keine Kapitulationsbereitschaft, während mehrere Golfstaaten ihre Fördermengen aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten reduzieren. Zudem bleibt offen, ob Washington tatsächlich weitere Sanktionsausnahmen gewähren wird oder ob internationale Institutionen wie IEA oder G7 durch Freigaben strategischer Ölreserven eingreifen. Wichtige Impulse werden in den kommenden Tagen durch neue Marktberichte von EIA, API, OPEC und IEA erwartet.
Fundamental; neutral bis bullish Chartanalyse; neutral bis bearish