Zum Wochenbeginn verzeichnen die Rohöl-Futures an der Intercontinental Exchange (ICE) und der New York Mercantile Exchange (NYMEX) deutliche Abschläge. Auslöser ist eine Kombination aus nachlassender geopolitischer Risikoprämie und zunehmender makroökonomischer Unsicherheit. Die angekündigten Gespräche zwischen Teheran und Washington signalisieren zwar diplomatische Bewegung, doch in zentralen Fragen – insbesondere zur Urananreicherung – bleiben die Positionen unvereinbar. Damit bleibt das Risiko militärischer Eskalation bestehen, was weiterhin einen signifikanten Iran-Aufschlag im Brent-Preis rechtfertigt.
Marktanalysten schätzen diese Risikoprämie auf rund 10 US-Dollar je Barrel. Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus, durch die etwa 20 % des globalen Ölhandels transportiert werden. Schon partielle Störungen könnten zu abrupten Preissprüngen führen, da nahezu alle Golfproduzenten auf diese Route angewiesen sind.
Strukturell bleibt der Markt dennoch gut versorgt. Goldman Sachs prognostiziert für 2026 einen Angebotsüberschuss, sofern es nicht zu nachhaltigen iranischen Exportausfällen kommt. Zwar wurden die Preisprognosen für Q4 2026 leicht auf 60 USD (Brent) und 56 USD (WTI) angehoben, dies reflektiert jedoch primär niedrigere OECD-Lagerbestände. Der zuletzt stark gesunkene Brent-Time-Spread (0,42 USD) signalisiert eine abnehmende kurzfristige Knappheit, auch wenn die Backwardation weiterhin eine relativ feste Marktstruktur anzeigt.
Zusätzlicher Preisdruck resultiert aus neuen Zollmaßnahmen von Donald Trump. Die handelspolitische Unsicherheit belastet Wachstumserwartungen, erhöht die Risikoaversion und wirkt dämpfend auf die globale Ölnachfrage. Insgesamt überwiegen kurzfristig die bearishen Faktoren, solange keine realen Angebotsstörungen eintreten.
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Fundamental; neutral bis bearish Chartanalyse; neutral bis bearish