Nach vier Tagen kräftiger Gewinne legen die Ölpreise an ICE und NYMEX eine Pause ein und geben leicht nach. Auslöser sind zum einen das Ausbleiben eines US-Militärschlags gegen den Iran, zum anderen klar bearishe Fundamentaldaten aus den USA. Die aktuellen Bestandsdaten des American Petroleum Institute zeigten unerwartet starke Lageraufbauten in allen Kategorien. Zusätzlich verschärfte die Energy Information Administration ihre Angebotsprognosen deutlich und erwartet für 2026 ein Überangebot von 2,83 Mio. Barrel pro Tag sowie auch 2027 einen klaren Angebotsüberschuss.
Trotzdem bleiben die geopolitischen Risiken der zentrale Preistreiber. Die anhaltenden Unruhen im Iran und die von Donald Trump angedrohte Militärintervention halten eine hohe Risikoprämie im Markt. Die iranische Ölförderung von rund 3,3 Mio. Barrel pro Tag gilt dabei als potenziell gefährdet, auch wenn sich die Proteste bislang nicht auf die wichtigsten Förderregionen ausgeweitet haben. Entsprechend sieht die Citigroup die Risiken derzeit eher politisch und logistisch als angebotsseitig.
Die jüngste Rally überrascht vor dem Hintergrund eines seit Monaten erwarteten Überangebots. Der Markt bleibt damit im Spannungsfeld zwischen strukturellem Angebotsdruck und geopolitischen Risiken. Kurzfristig ist die Tendenz weiter leicht bullish, eine technische Korrektur bleibt jedoch wahrscheinlich.
Fundamental; neutral bis bullish Chartanalyse; neutral bis bearish