Die Ölpreise stehen vor ihrer längsten Verlustserie seit mehr als einem Jahr. Brent fiel erstmals seit dem 8. September unter 100 US-Dollar je Barrel. Hauptgründe sind die erwartete Verbesserung der globalen Versorgungslage und neue Hoffnungen auf Fortschritte in den Gesprächen zwischen den USA und Iran. US-Präsident Donald Trump sprach von konstruktiven Verhandlungen und kündigte weitere Treffen an. Die Marktteilnehmer werten dies als Signal für eine mögliche diplomatische Lösung des seit Monaten andauernden Konflikts. Gleichzeitig bleiben Zweifel, da frühere Waffenruhen und Verhandlungsinitiativen scheiterten.
Für zusätzlichen Druck auf die Ölpreise sorgt Saudi-Arabien. Das Land nimmt seine wichtige Ost-West-Pipeline nach einer Beschädigung durch Huthi-Angriffe wieder in Betrieb. Die Leitung kann bis zu 7 Millionen Barrel pro Tag transportieren und ermöglicht Exporte unter Umgehung der Straße von Hormus. Dadurch könnte sich das Angebot am Weltmarkt spürbar erhöhen.
Auch der Irak liefert wieder größere Mengen Rohöl. Die Exporte liegen aktuell bei über 3 Millionen Barrel täglich und sollen über die Türkei weiter steigen. Allerdings bleiben sie unter dem Vorkriegsniveau.
Für die weitere Preisentwicklung richten sich die Blicke zudem auf die offiziellen US-Lagerbestandsdaten des Energieministeriums. Insgesamt ist die fundamentale Markteinschätzung neutral: Während geopolitische Risiken fortbestehen, wirken die Aussicht auf Verhandlungen und das zusätzliche Ölangebot preisdämpfend. Daher sind kurzfristig weitere Rückgänge bei den Inlandspreisen möglich.
Fundamental: neutral Chartanalyse: neutral bis bearish