Nach einer starken Ölpreisrally zeichnet sich aktuell eine leichte Entspannung am Markt ab. Ein wichtiger Grund sind Hinweise, dass sich die Lieferunterbrechungen im Nahen Osten allmählich verringern könnten. Saudi-Arabien plant, innerhalb von sechs Wochen seine beschädigte Ost-West-Pipeline vollständig wiederherzustellen. Kurzfristig sollen Lieferverpflichtungen nach Asien durch zusätzliche Transporte und Umladungen vor Oman abgesichert werden. Dadurch haben sich die Sorgen über eine akute Versorgungsknappheit etwas reduziert. Eine vollständige Entwarnung gibt es jedoch nicht, da weiterhin kaum Sicherheitsreserven vorhanden sind.
Die weltweiten Ölbestände sind aufgrund geringerer Exporte aus dem Nahen Osten und ausgefallener russischer Raffineriekapazitäten deutlich gesunken. Besonders bei Ölprodukten führt die Knappheit zu steigenden Preisen und verstärkt damit den globalen Inflationsdruck.
Die US-Notenbank Federal Reserve reagierte darauf mit einer Zinserhöhung und stellte weitere Anhebungen bis Jahresende in Aussicht. Die Aussicht auf eine strengere Geldpolitik stärkte den US-Dollar deutlich. Ein starker Dollar belastet den Ölpreis, weil Rohöl in US-Dollar gehandelt wird und dadurch für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer wird. Zusätzlich können höhere Zinsen das Wirtschaftswachstum und damit die Ölnachfrage bremsen.
Auch politische Maßnahmen beeinflussen den Markt: Der US-Kongress billigte neue Möglichkeiten für Zölle gegen Länder, die russische Erdölprodukte kaufen. China und Indien könnten davon betroffen sein. Gleichzeitig führen russische Raffinerieausfälle zu Diesel-Exportstopps, während in den USA die Kraftstoffpreise Rekordstände erreichen.
Insgesamt bleibt der Ölmarkt angespannt, hat sich gegenüber den Vortagen jedoch etwas beruhigt. Die Inlandspreise zeigen bislang kaum eine klare Erholung.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: neutral bis bullish