Die Eskalation am Persischen Golf erhöht den Druck auf die internationalen Energiemärkte. Nach neuen Angriffen Irans auf Energieanlagen in Saudi-Arabien sowie US-Angriffen auf iranische Öltanker wächst die Sorge vor länger anhaltenden Lieferunterbrechungen. Mehrere saudische Anlagen mussten ihren Betrieb vorübergehend einstellen. Gleichzeitig schwindet die Hoffnung auf eine baldige politische Lösung des inzwischen sieben Monate andauernden Konflikts.
Die Folgen zeigen sich unmittelbar an den Rohstoffmärkten. Der Preis für Brent-Rohöl ist seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent gestiegen und nähert sich wieder der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Auch die europäischen Erdgaspreise legten zuletzt erneut zu. Besonders stark verteuerten sich zudem Raffinerieprodukte wie Diesel. Analysten rechnen angesichts sinkender weltweiter Lagerbestände und Reserven mit einer anhaltenden Risikoprämie.
Besonders kritisch ist die Lage an der Straße von Hormus. Vor dem Krieg wurden dort rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und LNG transportiert. Aktuell passieren schätzungsweise lediglich vier bis sechs Millionen Barrel pro Tag die strategisch wichtige Meerenge, verglichen mit mehr als 21 Millionen Barrel vor dem Konflikt. Damit bleibt ein erheblicher Teil des regionalen Angebots vom Weltmarkt abgeschnitten.
Für die weitere Preisentwicklung stehen mehrere wichtige Marktberichte an. API und DOE veröffentlichen ihre US-Lagerbestandsdaten, während EIA, OPEC und IEA neue Prognosen vorlegen. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten dürften insbesondere deren Angebotsschätzungen entscheidend sein. Kurzfristig bleibt das fundamentale Marktbild daher klar bullish, auch wenn Inlandspreise aufgrund jüngster Wechselkursbewegungen zunächst etwas nachgeben könnten.
Fundamental: bullish Chartanalyse: neutral bis bullish