Die Ölpreise an den Börsen ICE und NYMEX bewegen sich weiterhin nahe ihrer Langzeithochs. Trotz der vorübergehenden Aussetzung von US-Sanktionen gegen russische Energieimporte und zusätzlicher Lieferungen nach Brasilien, in die Türkei und nach Marokko bleibt die globale Versorgungslage angespannt. Eine nachhaltige Entlastung des Marktes ist dadurch nicht zu erwarten.
Besonders kritisch ist die Situation im Persischen Golf. Die Ölexporte liegen weiterhin unter dem Vorkriegsniveau. Wiederholte Angriffe auf Tanker schränken die verfügbaren Transportkapazitäten ein und erschweren die Verschiffung. Entsprechend dürften die Frachtkosten hoch bleiben und die Ölpreise weiterhin stützen. Zusätzlich sorgt die anhaltende geopolitische Unsicherheit für eine erhöhte Risikoprämie.
Eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht absehbar. Teheran lehnt Verhandlungen ab, solange Washington seine Forderungen nicht erfüllt. Vor den US-Kongresswahlen dürfte der politische Handlungsspielraum der amerikanischen Regierung begrenzt bleiben. Gleichzeitig könnte der erwartete Machtwechsel im Kongress den innenpolitischen Druck auf Präsident Trump erhöhen, eine friedliche Lösung anzustreben.
Trumps widersprüchliche Aussagen zwischen der Aussicht auf eine rasche Einigung und der Androhung weiterer Militärschläge verstärken die Unsicherheit zusätzlich. Bis zu den Midterm-Wahlen ist deshalb kaum mit einer nachhaltigen Entspannung zu rechnen.
Zusätzliche Unterstützung erhalten die Ölpreise durch die vom API gemeldeten Lagerbestandsrückgänge. Sollten diese durch die offiziellen Daten des US-Energieministeriums (DOE) bestätigt werden, könnten die Vorräte teilweise neue historische Tiefstände erreichen.
Fazit: Die fundamentale Marktlage bleibt bullisch. Die Kombination aus eingeschränkten Liefermengen, hohen Transportkosten, geopolitischen Risiken und sinkenden Lagerbeständen spricht weiterhin für ein hohes Ölpreisniveau. Bei den rechnerischen Inlandspreiserwartungen zeichnen sich gegenüber dem Vortag hingegen nur geringe Veränderungen ab.
Fundamental: bullish Chartanalyse: neutral bis bearish