Die Ölpreise starten schwächer in die neue Woche, nachdem Brent am Freitag zeitweise die Marke von 110 US-Dollar getestet hatte. Ausschlaggebend sind Gewinnmitnahmen und die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Sanktionen und Strafzölle gegen Russland vorerst auszusetzen. Dadurch könnten zusätzliche russische Kraftstofflieferungen auf den Weltmarkt gelangen und das Angebot erhöhen.
Gleichzeitig bleibt die Versorgungslage im Nahen Osten angespannt. Verschärfte Angriffe auf Handelsschiffe haben die Rohölexporte aus der Golfregion zuletzt deutlich reduziert. Laut Kpler sanken die durchschnittlichen Liefermengen innerhalb von sieben Tagen von über 20 Millionen auf rund 8,5 Millionen Barrel täglich. Inzwischen sollen sich die Rohölströme nach Angaben des US-Energieministers jedoch auf etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt haben. Bei Raffinerieprodukten bestehen weiterhin Einschränkungen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die geplanten russischen Diesellieferungen an die USA und weitere Länder. Während die möglichen Mehrmengen preisdämpfend wirken, könnten weitere militärische Eskalationen die Versorgung erneut gefährden. Die unklaren Details der US-Ausnahmeregelungen erschweren zudem eine verlässliche Einschätzung der künftigen Angebotsentwicklung.
Analysten erwarten deshalb vorerst eine Seitwärtsbewegung des Brent-Preises um die Marke von 100 US-Dollar. Die schwächeren Konjunkturaussichten begrenzen die Zahlungsbereitschaft der Marktteilnehmer, während geopolitische Risiken das Preisniveau stützen.
Auch die Inlandspreise geben am Montagmorgen gemeinsam mit den ICE-Gasoil-Kontrakten nach und korrigieren den starken Anstieg vom Freitagabend teilweise. Gegenüber Freitagmorgen zeichnen sich jedoch weiterhin leichte Preisaufschläge ab. Insgesamt bleibt der Ölmarkt volatil und stark von politischen Entscheidungen sowie der tatsächlichen Entwicklung der Liefermengen abhängig.
Fundamental: neutral Chartanalyse: neutral bis bearish