Die Rohölpreise gaben am Donnerstag nach, nachdem der WTI-Preis zuvor ein Drei-Wochen-Hoch erreicht hatte. Ausschlaggebend sind eine verbesserte Angebotslage, schwächere Nachfrageprognosen und mögliche Lockerungen der US-Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte. Gleichzeitig bleiben die geopolitischen Risiken im Nahen Osten hoch.
Laut Internationaler Energieagentur (IEA) stiegen die Rohölexporte aus dem Persischen Golf im September um 4,4 Millionen Barrel pro Tag und erreichten damit rund 75 Prozent des Vorkriegsniveaus. Insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate steigerten ihre Produktion und Ausfuhren deutlich. Demgegenüber erwartet die IEA einen Rückgang des weltweiten Ölverbrauchs um 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Auch die OPEC reduzierte ihre Prognose für das Nachfragewachstum.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt der physische Ölmarkt angespannt. Die globalen Lagerbestände an Land liegen nahe einem Zehnjahrestief. Zudem ist die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Strasse von Hormus weiterhin gefährdet. Angriffe auf Handelsschiffe und die anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffe der Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien sorgen für Unsicherheit. Da bislang keine gravierenden Lieferausfälle bestätigt wurden, ging jedoch ein Teil der geopolitischen Risikoprämie verloren.
Zusätzlichen Preisdruck erzeugten Berichte, wonach die US-Regierung eine Lockerung der Sanktionen gegen Schiffe der russischen Schattenflotte prüft. Ziel wäre es, das Ölangebot zu erhöhen und hohe Transport- sowie Produktpreise zu reduzieren.
Das American Petroleum Institute meldete zudem einen Rückgang der US-Rohölbestände um 11,1 Millionen Barrel. Eine Bestätigung durch das US-Energieministerium könnte die Preise stützen. Kurzfristig überwiegen jedoch die Abwärtsrisiken, weshalb bei den Inlandspreisen rechnerisch Abschläge möglich sind.
Fundamental: neutral Chartanalyse: bearish