Die Rohölpreise an ICE und NYMEX entwickelten sich zuletzt volatil. Während Brent am Mittwoch nachgab, konnte sich der Preis oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar je Barrel halten. WTI blieb dagegen unter 90 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen zogen die Notierungen wieder an. Ausschlaggebend waren vor allem steigende geopolitische Risiken, zunehmende Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf sowie Produktionsausfälle im Golf von Mexiko.
Besonders die Möglichkeit eines weiteren US-Militärschlags gegen den Iran sorgt für einen Risikoaufschlag am Ölmarkt. Obwohl Zeitpunkt und mögliche Ziele noch unklar sind, berücksichtigen Händler dieses Szenario bereits in ihren Preisprognosen. Zusätzlich erhöhen die jüngsten Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus die Unsicherheit hinsichtlich der Sicherheit wichtiger Transportwege und der globalen Ölversorgung. Zwar steigen die Ölexporte aus der Golfregion wieder, jedoch unter höheren Kosten und Risiken.
Auch die US-Versorgungslage unterstützt die Preise. Nach Angaben des US-Energieministeriums gingen die Rohölbestände stärker als erwartet zurück. Die ohnehin niedrigen Destillatbestände, insbesondere bei Diesel und Kerosin, verharren deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Gleichzeitig wurden aufgrund des Hurrikans Isaias mehr als 510.000 Barrel tägliche Offshore-Produktion im Golf von Mexiko stillgelegt.
Die beschleunigte Freigabe strategischer Reserven durch die IEA kann die Versorgung kurzfristig verbessern, schafft jedoch keine zusätzlichen Produktionskapazitäten. Insgesamt bleibt die fundamentale Marktlage daher bullish. Für Brent, Gasoil und damit auch für die Inlandspreise zeichnen sich kurzfristig weitere Preisaufschläge ab.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: neutral bis bullish